Zielgruppe, Projektthema, Grundsatzüberlegungen

Unser didaktischer Weg möchte Ideen und methodische Ansätze zum fächerübergreifenden und projektorientierten Arbeiten aufzeigen. Die Aufgabenstellungen sind aufgrund der Fächerkombination und des Schwierigkeitsgrades vor allem für den Unterricht in Oberstufenklassen geeignet.

Thematischer Ausgangspunkt der Projektarbeit ist die Vermessung des Flusslaufs der Salzach bei Oberndorf unter Anwendung der Kenntnisse aus Trigonometrie. Darauf aufbauend werden in anderen Fächergruppen Themen bearbeitet, die diesen Lebensraum aus geographischer, wirtschaftlicher und geschichtlicher Sicht näher beleuchten und Hilfestellungen für die Planung und Durchführung einer Exkursion nach Oberndorf bieten.  

Die einzelnen Schritte der Projektrealisierung – von der Kontaktaufnahme mit den Initiatoren der Plattform bis zur Fertigstellung – sind in einer Powerpoint-Präsentation in englischer Sprache dokumentiert.

Unser „didaktischer Weg“ baut auf den Prinzipien des autonomen und kollaborativen Lernens auf. Die  im Rahmen der Unterrichtsarbeit entstandenen Zwischenergebnisse werden als „work in progress“  auf einer Homepage publiziert, in die die Mitglieder der Plattform unter http://193.170.245.229/4ak/  bereits Einsicht nehmen können. 

Über Links und Verweise gelangt man zu kurzen Artikeln über die pädagogisch-didaktischen Grundsatzüberlegungen der unterrichtenden LehrerInnen, zu synthetischen Schlussreflexionen über den Verlauf der Unterrichtsarbeit und zu Schülerrückmeldungen in den einzelnen Fächern.

Mit welcher Klasse wird das Projekt durchgeführt?

Die 3AK Klasse des Sprachenzweigs der Bundeshandelsakademie Oberndorf, bestehend aus 17 Mädchen, führt das Projekt im Sommersemester des laufenden Schuljahres 2002/2003 durch. Sie stellen sich auf der Titelseite der Homepage kurz vor. Das Projekt wird von 6 LehrerInnen und einer Sprachassistentin betreut. (Siehe „Teachers’ profiles“,  „Project“ (=tabellarischer Überblick mit inhaltlichen Detailinformationen).

Involvierte Fächer, pädagogische und didaktische Zielsetzungen

Es war unser Ziel möglichst viele Fächer zu involvieren, um den SchülerInnen anhand eines konkreten Beispiels zu verdeutlichen, wie Wissen, das in verschiedensten Fächern erworben worden ist, zielorientiert zur Lösung einer komplexen Aufgabenstellung eingesetzt werden kann („problem solving“). Wichtig war uns weiterhin durch eine flexible, aber effiziente Zeitplanung die Projektarbeit bestmöglich in den laufenden Unterricht einzugliedern: Lehrplaninhalte sollten durch die Vertiefung und praktische Anwendung relevanter, redundanter und natürlich interessanter werden und so nachhaltigeres Lernen gewährleisten.

Besonders sinnvoll erschien es uns logisch analytische bzw. inhaltsorientierte Fächergruppen, wie Mathematik und Betriebswirtschaftslehre, mit  fertigkeitsorientierten Disziplinen – im vorliegenden Fall Deutsch, Englisch, Italienisch und Datenverarbeitung - zu verbinden. Ein tabellarischer Überblick über inhaltliche und fachliche Ziele der einzelnen Fächer in englischer Sprache wurde bereits in die Plattform gestellt.

Kurz zum Trägerfach des Projekts, Mathematik: Das Thema Trigonometrie wurde in offenen Lernphasen erarbeitet, die Ergebnisse wurden in Form von Lerntagebüchern dokumentiert und in der freien Natur unter Anleitung eines Experten und Einsatz eines selbst konstruierten Messinstruments (Theodolit) praktisch angewandt. (Nähere Informationen finden Sie in englischer Sprache unter dem Link „Mathematik“.)

In Betriebswirtschaftslehre wurde das Umfeld des Flusses Salzach, der Jahrhunderte lang die Lebensgrundlage der Bewohner von Laufen und Obendorf war, aus heutiger wirtschaftlicher Sicht beleuchtet und kurz dargestellt. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die besondere geographische Lage Oberndorfs, das heute direkt an der Grenze zu Deutschland liegt, die in der Mitte des Flussbetts der Salzach verläuft. Die Friedensbrücke verbindet Oberndorf mit ihrer deutschen Schwesternstadt Laufen und es ist, als ob die beiden Städte noch immer eins wären. Die Initiative „Euregio“ unterstützt diesen Zusammenhalt durch viele grenzübergreifende wirtschaftliche und kulturelle Aktivitäten. (Vgl. die Internettipps in unserer Präsentation der Region, die sich im englischen Teil der Plattform befindet.)

Um dem Grundprinzip der Plattform „working language English“ Rechnung zu tragen, wurden die Unterrichtsstunden im Fach Betriebswirtschaftslehre auf Englisch gehalten und die Ergebnisse auf Englisch dokumentiert. In den Englischstunden selbst wurde parallel dazu ein Exkursionsprogramm erstellt, das Anreise, Unterkunftsmöglichkeiten und mögliche Freizeitaktivitäten beschreibt. Außerdem werden innerhalb dieser Unterrichtsstunden auch die wichtigsten englischsprachigen Dokumente verfasst oder überarbeitet. Da Übersetzungen in die Fremdsprache weder dem Wissensstand der SchülerInnen noch den methodisch didaktischen Zielsetzungen des Lehrplans für die österreichische Handelsakademie entsprechen, werden kurze Zusammenfassungen oder situative Übersetzungen erstellt und die wichtigsten sprachlichen Mittel dafür erarbeitet. Im Vordergrund steht der funktionale Sprachgebrauch.

Um das Fach Italienisch, das als zweite lebende Fremdsprache unterrichtet wird, sinnvoll in den Fächerkanon einzugliedern - die SchülerInnen befinden sich erst im 3. Lernjahr - haben wir uns entschlossen, unsere Region mit ihren Eigentümlichkeiten, ihren Festen und Bräuchen vorzustellen und ein Sommer- und ein Winterausflugsprogramm zu erstellen, das Schulklassen einladen soll, unserer Region, die sich in unmittelbarer Nähe der Stadt Salzburg befindet, einen Besuch abzustatten.

Da dieses Vorhaben sprachlich relativ hohe Anforderungen stellt, machten wir uns auf die Suche nach E-Pals und fanden dank unserer Kollegen Dott. Roberto Nassi und Dott.ssa Flavia Sardei eine Partnerklasse am Liceo Tron.  Seit einigen Monaten tauschen diese austro-italienischen „E-Tandems“ in selbstverantwortlicher Arbeit Mails aus, die zum Teil in der Fremdsprache und zum Teil in der Muttersprache verfasst sind, wobei das Antwortmail immer auch eine korrigierte Version des in der Fremdsprache verfassten Textes durch den Muttersprachler enthält. Die Schüler haben dadurch  nicht nur die Möglichkeit, auf autonome und individuelle Art und Weise ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen, sondern lernen auch die neuen Medien als Kommunikationsmittel einzusetzen, das interkulturelle Zusammenarbeit  ermöglicht.

Im Italienischunterricht werden wichtige oder schwierige sprachliche Strukturen aufgegriffen (Vertiefung der sprachlichen Kompetenz). Die Schülerinnen arbeiten somit nicht ausschließlich innerhalb der vom  Lehrbuch vorgegebenen Progression und beginnen dadurch die Fremdsprache verstärkt als persönliches Ausdruckmittel einzusetzen.

 Im Deutschunterricht wird aufgrund der Korrektursituationen über Struktur, Funktionen und Ausdrucksmittel der Muttersprache reflektiert.

Schlussbemerkung

Aus umfangreichen Projektarbeiten in der Vergangenheit haben wir gelernt, dass eine Produktorientierung im Projektunterricht die Leistungsbereitschaft von Schülern steigert und die Qualität der Produkte verbessert.  Aus pädagogischer Sicht war der wichtigere Teil der Projektarbeit jedoch sicher immer der Prozess selbst, der „Weg zum Ziel“ - mit all seinen Stolpersteinen und Schlaglöchern. 

Durch den vorgeschlagenen pädagogisch-didaktischen Ansatz versuchen wir daher fachliche Kompetenz (Grundlagenwissen, (Fremd-) Sprachen, analytisches Denken, Denken in Zusammenhängen, Problemlösungsfähigkeit und Medieneinsatz), Selbstkompetenz (kommunikative Fähigkeiten, Zielstrebigkeit, Zuverlässigkeit, Genauigkeit, Selbstständigkeit, Flexibilität) und  Sozialkompetenz ( Kooperationsbereitschaft, Hilfsbereitschaft, Mitverantwortung, Organisationsfähigkeit, Teamorientierung) der beteiligten Schülerinnen gleichermaßen zu fördern.